„Tag der Heimat“ in Soest

14.09.08:
„Tag der Heimat“ in Soest

Der geschichtsrevisionistische „Bund der Vertriebenen“ hatte auch in diesem Jahr zum „Tag der Heimat“ in Soest eingeladen. Wie auch 2006 (siehe „Tag des Geschichtsrevisionismus in Soest“ in der Rubrik „Stuff“ und/oder http://de.indymedia.org/2006/09/156855.shtml ) wollten AntifaschistInnen aus der Region die durch den „BdV“ getragene Verdrehung der Geschichte nicht unbeantwortet lassen.

So versammelten sich etwa 25 Antifas in Soest, um über den geschichtsrevisionistischen „Bund der Vertriebenen“ und deren ins Leben gerufenen, sich harmlos suggerierenden „Tag der Heimat“ aufzuklären. Es wurden dann im Vorhinein Flugblätter in der gut belebten Fußgängerzone verteilt und im Anschluss begab sich mensch zum blauen Saal im Rathaus, dem Veranstaltungsort des völkischen Spektakels. Dort angekommen, wurden im Vorraum des blauen Saals weiter Flyer verteilt und Gäste über den Tag der Heimat aufgeklärt, oder mit ihnen über seinen politischen Inhalt diskutiert. Auch Bürgermeister Ruthemeyer zeigte sich an der Kritik interessiert. Allerdings gab es auch von einigen Besuchern, für den „BdV“ typische Kommentare, die die eigentliche politische Stoßrichtung des Anliegens entblößten. „Ich bin stolz Deutsche zu sein; das, was damals war, war in Ordnung. (…)Wenn die ethnische Säuberung kommt seit ihr alle unter der Erde“ ließ eine alte Frau beim Betreten des Saals gegenüber den AntifaschistInnen vom Stapel. Hier zeigte sich einmal mehr die postfaschistische Fratze des „BdV“.

Auch die Lokalpresse in Form von Soester Anzeiger und Westfalen-Post äußerten ihr Interesse an der Kritik der AntifaschistInnen, lichteten diese ab und sicherten zu auch die geäußerte Kritik in den Zeitungsbericht aufzunehmen. Inwiefern das Versprechen eingelöst wird bleibt abzuwarten, da die Lokalpresse dies 2006 ebenfalls versprach, den Protest aber nur in einem Nebensatz erwähnte.
Anschließend wurde, dann noch einmal die Fußgängerzone abgegangen und die letzten der 400 Flyer verteilt.

Untenstehend der verteilte Flyer und der verteilte Flyer von 2006( http://de.indymedia.org/2006/09/156855.shtml)





Anmerkungen zum „TAG DER HEIMAT 2008″ in Soest

Unter dem Titel „Erinnern – Verstehen – Zukunft gewinnen“ zelebriert der Bund der Vertriebenen (BdV) in diesem Jahr wieder den „Tag der Heimat“ in Soest. Wieder erfreut er sich dabei der Unterstützung aus der Kommunalpolitik und kann seiner Forderung nach einem „Recht auf Heimat“ Nachdruck verleihen. Doch was steckt hinter dem BdV – einer Gruppe, die sich selbst als Menschenrechtsorganisation präsentiert?

Der in den 1950er Jahren gegründete BdV ist die mitgliederstärkste, revanchistischste Vereinigung in Deutschland. Gegründet wurde er von den umgesiedelten Flüchtlingen in der jungen Bundesrepublik. Der Verein ist jedoch mehr als eine bloße Interessenvertretung dieser. Was er anstrebt, ist klar die Revision der Nachkriegsordnung und vor allem der Nachkriegsgrenzen. Als Anhänger der völkischen Ideologie verbirgt sich hinter dem eingefordertem „Recht auf Heimat“, die Forderung einen völkisch begründeten Anspruch auf angeblich „deutsches Gebiet“ in Osteuropa geltend machen zu können.

„Heimat“ beruhe auf einer „Volkszugehörigkeit“, die gemäß der Blut-und-Boden-Ideologie begründet wird. Ein Deutscher etwa kann demnach nur sein, wer auch „deutscher Abstammung“ sei. Tatsächlicher Geburtsort und Staatsangehörigkeit spielen hierbei keine Rolle mehr. Ein „Volksangehöriger“ sei mit seiner „Heimat“ naturmäßig verwachsen. Nach Auffassung der „Vertriebenen“ erstrecke sich die „angestammte Heimat des deutschen Volkes“ dann auch weit nach Osteuropa. Hier finden sich auch die erklärten Feinde des BdV. Seine völkische Definition hat der BdV mit Anhängern nationalsozialistischer Ideologie gemein. Die völkische Einteilung kann dabei immer nur über Einschluss und Ausschluss funktionieren. Kurz gesagt: Die Definition des Volkes ist nur dann wirksam, wenn sie andere, denen kein Platz in der Volksgemeinschaft gestattet werden soll, auszuschließen weiß. Der Irrsinn der blutsmäßigen Definition geht soweit, dass ein in der Bundesrepublik geborener Nachkomme der „Vertriebenen“ immer noch als vertriebener „Volksdeutscher“ sein „Recht auf Heimat“ in Osteuropa einfordern sollte.

Der BdV propagiert seit seiner Gründung ungebrochen die Gegnerschaft zu den Maßnahmen der Entnazifizierung, als deren Opfer er sich sieht, und ist einflussreichster Vertreter völkischer Ideologie in Deutschland nach 1945. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass viele alte NSDAP-Mitglieder zum BdV gehören und auch noch heute rege Kontakte aus dem „Vertriebenen“-Milieu in die extreme Rechte bestehen. Der öffentlichen Unterstützung tut dies jedoch keinen Abbruch.

Dabei sind Vertreter des BdV, die öffentlich Nazidemonstrationen unterstützen (so geschehen in Münster gegen die Wehrmachtsausstellung) oder Einladungen von Geschichtsverfälschern zu BdV-Veranstaltungen nur symptomatisch für die dort vertretene Ideologie. Während diese Symptome noch öffentlich kritisiert werden, wird der BdV meist weiterhin hofiert. So fanden sich als im Jahr 2006 Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof als Festredner in Soest eingeladen wurde, noch deutliche Worte der Kritik in der bürgerlichen Presse. Der Generalmajor a.D. wurde, da er die deutsche Kriegsschuld leugnet und den Überfall auf Polen sich als Akt zur „Wahrung der Menschenrechte der Volksdeutschen“ zurecht lügt, treffend als „Kronzeuge der Neonazis“ bezeichnet. (Soester Anzeiger, 6.9.2006) Statt aber deshalb ein genaueren Blick auf den BdV an sich zu werfen, mochte man zwar noch die dürftige Distanzierung kritisieren, ging am sonsten dem BdV-Gewäsch von der „Verständigung und Versöhnung unter den Völkern“ aber auf den Leim. So seien durch den – schließlich doch noch abgesagten – „peinlichen und unnötigen Auftritt des ex-Generals Schultze-Rhonhof“ des BdVs „hehre Ziele“ in ihrer Vermittlung gescheitert. Nach dem es öffentlichen Druck gab, wurde der geplante Hauptredner aus „Sicherheitsgründen“ ausgeladen. Eine inhaltliche Distanzierung blieb aus. (Soester Anzeiger, 8.9.2006) Auf besagter Veranstaltung nahm dann auch der Kreisvorsitzende Feuerborn kein Blatt vor den Mund und beschwerte sich über eine „ungeheure Diffamierung“. In Anlehnung an die Positionen seines Wunschredners stellte er die rhetorische Frage „Warum darf ein Deutscher heute nicht mehr die Wahrheit sagen?“. Um welche Art von „Wahrheit“ es ihm ging, war allzu deutlich: So wurde in keinem Satz der deutsche Wahn von „Endsieg“ und „Endlösung“ erwähnt, stattdessen würden die „Vertriebenen neben den Bombenopfern die größte Kriegslast“ tragen. Man versuche „seit 60 Jahren [uns] Geschichte überzustülpen“, echauffierte er sich und stellte die Suggestivfrage, wer denn bestimmen könne, was denn die Wahrheit sei. Empörung im Publikum blieb aus.

Mögen einige Verbandsoberen noch moderatere Töne anschlagen, schlägt ihre Argumentation doch grundsätzlich in die selbe Kerbe. Vorfälle wie in Soest vor zwei Jahren waren keine Ausrutscher, sondern spiegeln die Ideologie des Verbandes wieder. Während der BdV bestens in der Bundesrepublik integriert ist, hetzte er schon frühzeitig gegen das Asylrecht und forderte dessen Abschaffung. Nicht nur heute sind die Verbandsaktivisten politisch rechtsaußen anzuordnen. Die sich heute als „Vertriebene“ inszenierenden, waren zum größten Teil Anhänger oder Nutznießer des Nationalsozialismus! Nicht selten kam ihnen eine aktive Rolle zu. Wie Erich Später ausführt, hatte die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei z.B. eine „zentrale Funktion bei der Zerschlagung der demokratischen Republik 1938/39 und der Etablierung der siebenjährigen deutschen Besatzungs- und Terrorherrschaft, unter der 260.000 tschechoslowakische Bürger jüdischer Herkunft ermordet und die Auslöschung der tschechischen Nation im Falle eines deutschen Sieges geplant wurden.“
Auf diese historischen Zusammenhänge hinzuweisen, ist notwendig. Schließlich versuchen die „Heimatvertriebenen“ sich selbst als „Opfer des Krieges“ darzustellen und sehen sich so auf einer Stufe mit den tatsächlich von der nationalsozialistischen Barbarei Betroffenen. Nicht zu letzt bliebe an dieser Stelle erwähnenswert, dass für die Umsiedlung die eigene Haltung zum Nationalsozialismus ausschlaggebend war. Der vom BdV forcierten Einebnung von Täter und Opfer gilt es deutlich zu widersprechen. Wenn der BdV seinen ritualisierten Opfermythos auch in diesem Jahr wieder zelebriert, möchten wir dies nicht unkommentiert lassen.

Völkische Ideologie bekämpfen!

Keine Unterstützung für den Bund der Vertriebenen!

AntifaschistenInnen aus der Region

Tag des Geschichtsrevisionismus 2006

Am Sonntag, den 10.09.06 wird in Soest eine Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen (BdV) im Blauen Saal des Rathauses Soest stattfinden, zu welcher der Ex-Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof eingeladen war. Vor drei Tagen wurde dieser Geschichtsrevisionist vom BdV wieder ausgeladen. Dies passierte allerdings als Reaktion auf den öffentlichen Druck und nicht wegen seinen Verdrehungen der deutschen Geschichte.

Der BdV ist mit 2 Millionen Mitgliedern einer der stärksten Verbände und Deutschland und behauptet, 15 Millionen „Vertriebene“ zu repräsentieren. Er ist Dachverband von 21 Landsmannschaften, unter denen die „Sudetendeutsche Landsmannschaft“ (SL) die größte ist. Der BdV will die „Vertreibung“ von sogenannten „Volksdeutschen“ aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945 thematisieren, die er als tragischen Teil deutscher und europäischer Geschichte und quasi als „Holocaust an den Deutschen“ versteht. Mit diesem großangelegten Geschichtsrevisionismus wird die Umsiedlung der Sudetendeutschen mit der von langer Hand geplanten und industriell vollstreckten Massenvernichtung der Juden gleichgesetzt. Gleichzeitig wird der 2. Weltkrieg, der nur einen Aggressor kannte, europäisiert und das „Schicksal deutscher Opfer“ in einer Reihe mit dem anderer „Volksgruppen“ gestellt.

Die Umsiedlung der „Sudeten“ war ebenso wie die Beschränkung des deutschen Gebiets bis zur Oder-Neiße-Grenze im Osten ein Baustein der antifaschistisch motivierten Neuordnung Europas nach dem Sieg über den Nazi-Faschismus. Die Umsiedlung wurde als notwendig angesehen, da 1938 nach der Besetzung im Münchener Abkommen festgelegten tschechischen Gebiete 98,9 % der Sudetendeutschen in noch freien Wahlen der NSDAP ihre Stimme gaben, nachdem schon vorher die von Berlin gelenkte „Sudetendeutsche Partei“ dort mit 95 % gewählt worden war. Weite Teile dieser WählerInnenschaft unterstützten die Nationalsozialisten bei der Vertreibung oder Vernichtung von etwa 150.000 TschechInnen, 15.000 Juden und Jüdinnen, 13.000 deutsche AntifaschistInnen und etwa 5.000 EmigrantInnen aus dem Reich und aus Österreich aus den Grenzgebieten. Somit waren die vom BdV und seinen Landsmannschaften „vertrieben“ Titulierten nicht Opfer, sondern fast ausschließlich UnterstützerInnen der nationalsozialistischen „Blut-und-Boden“-Ideologie, des darin verflochtenen Rassengedankens und leiten daraus ihr Handeln ab. So gedenkt der Bund der Vertriebenen „allen Opfern der beiden Weltkriege“, akzentuiert wird dabei jedoch der deutsche Heldentod, was nicht zuletzt durch das immer wieder vorgetragene Lied „Ich hatte einen Kameraden“ deutlich wird: Täter werden zu Opfern.

Dass sich das Rathaus zum Ort für solche geschichtsrevisionistischen Veranstaltungen degradieren lässt, zeigt die Affinität von der bürgerlichen Mitte zu revanchistischen Tendenzen innerhalb des als rechts einzuordnenden Sumpfes und die Unfähigkeit, sich geschichtlichen Tatsachen und historischer Verantwortung zu stellen. Eine Tendenz, die in Deutschland nicht neu ist. Auch nach 60 Jahren deutscher Realität und der Propagierung vorbildlicher Vergangenheitsbewältigung hat man nur eins gelernt: Um sich selbst aggressiv zu trauern.

Deutsche Täter sind keine Opfer!

Geschichtsrevisionisten bekämpfen!

Antifaschistische Aktion