Archiv für Januar 2014

Veranstaltungshinweis: Seminar über Antiziganismus

Eine Veranstaltung des RLC:

Seminar mit Benjamin Kerst, Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS).

Das Seminar soll darauf aufmerksam machen, wie tief der Antiziganismus in der deutschen bzw. europäischen Gesellschaft verwurzelt ist. Ausgehend von theoretischen Ausführungen bezüglich der Frage, was unter Antiziganismus verstanden werden kann, wird der Referent anhand ausgewählter Zitate aus dem deutschen Sprachraum (ausgehend von Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert) aus Beschlüssen, Lexikaeinträgen, Liedtexten, etc. aufzeigen, wie tief der Antiziganismus verwurzelt ist und auf seine Funktion für die Herausbildung von nationalstaatlichen Arbeitsgesellschaften eingehen.
Im Anschluss soll die Medienberichterstattung bezüglich der Thematik ‚Einwanderung aus Südosteuropa‘ analysiert werden, wobei Analysen des Duisburger DISS als Grundlage dienen werden, so etwa die diskursanalytische Auswertung der Berichterstattung der WAZ, eventuell auch Ergebnisse der Spiegelberichterstattung. Dabei wird die bedrohliche antiziganistische Stimmung in Duisburg zur Sprache kommen, aber auch die zu gesamteuropäische Situation.
Analysiert werden auch Versuche der extremen Rechten an das Thema anzuknüpfen, die gerade deshalb oft Erfolg haben, da Antiziganismus vor allem auch als Problem der „Mitte“ zu betrachten ist. Die Veranstalter behalten sich das Hausrecht vor, Personen mit rechtsradikalem Hintergrund sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Ort & Zeit: Am 31.01 um 19:00 im Petrikirchhof 10

Zwölf nasse Nazis

Paar_Nazis
Am 12.01.14 haben Neonazis von der Partei „Die Rechte“, darunter eine Handvoll Neonazis aus Soest, eine Kundgebung in der Soester Innenstadt abgehalten.

Obwohl Sascha Krolzig sein bestes gab und wie ein Prediger zusammenhangloses über deutsche Interessen und MigrantInnen brüllte, schien selbst der eigene Anhang gelangweilt. Während die angereisten Nazis mit aggressiven Gebärden (Schubsen, Drohungen & Einschüchterungen) reagierten, stand die Soester Naziriege schweigend in einer Reihe und hielt brav ein Transparent. Das regnerische Wetter tat sein übriges und vertrieb die ungeschützten Nazis nach einer Stunde wieder.

Spontan, die Veranstaltung wurde erst am 11.01 bekannt, formierte sich eine Gegenveranstaltung mit rund 40 TeilnehmerInnen. Ein Teil der „bürgerlichen“ TeilnehmerInnen distanzierte sich allerdings nach einiger Zeit – ohne sichtlichen Grund – und demonstrierte 20 Meter entfernt weiter unter dem Motto „Bunt statt Braun“.

Wir finden es nach wie vor, selbst bei einem lächerlichen Haufen, wichtig gegen Neonazis auf die Straße zu gehen. Der offenen Hetze gegen Teile der Bevölkerung, im gestrigen Fall insbesondere gegen Roma und Homosexuelle, muss mit Protest begegnet werden. Bestenfalls noch lautstärker als am Samstag.

Auf eine Protestform des Ignorierens zu setzen ist schlichtweg der falsche Weg. Selbst wenn Neonazis gezielt ignoriert werden würden und das ihre Öffentlichkeitsarbeit durch mangelnde Aufmerksamkeit eventuell erschweren würde, so wäre noch immer nicht die ideologisch bedingte Gewaltbereitschaft behoben und erst recht nicht der gesellschaftliche Nährboden für derartige Ideologien. Ein Problem „wegzuschweigen“ hat auch im historischen Kontext noch keine positiven Effekte erzielt.

Wir bedanken uns bei allen Menschen die nach Soest gekommen sind und das regnerische Wetter ausgehalten haben!

Siehe auch: Artikel im Soester Anzeiger

Nazikundgebung in Soest am 11.01

Wie erst kürzlich bekannt wurde, haben Neonazis von „Die Rechte“ am 11.01.2014 eine Kundgebung in der Soester Innenstadt (Höhe Saturn) angemeldet. Die Kundgebung soll von 15 – 18 Uhr stattfinden und wurde nicht öffentlich beworben. „Die Rechte“ hat die Kundgebung scheinbar als Mahnwache für den getöteten Tim K. angemeldet. (Details: soest.blogsport.de)

Wir möchten nicht, dass rassistische Hetze zur Normalität wird. Daher wird es an der Kundgebung Proteste geben, möglicherweise auch eine angemeldete Gegenkundgebung.


Let´s fight white Pride! – In Soest und an­ders­wo!

Am 18. Januar auf nach Magdeburg!

Am 16. Januar 2014 jährt sich die Bombardierung Magdeburgs zum 69. Mal. Seit 1998 nutzen die Nazis dieses Datum um die sogenannten “Helden der deutschen Wehrmacht” und die Opfer der Bombenangriffe zu betrauern. Sie gedenken des Endes des kriegstreibenden, faschistischen Regimes und instrumentalisieren dabei das Gedenken der vielen Magdeburgerinnen und Magdeburger, die am 16.01.1945 gestorben sind oder der Trauer jener, die Angehörige, Bekannte und Freunde verloren haben.

In den letzten Jahren hat sich der Naziaufmarsch in Magdeburg zu einem der größten Aufmärsche in Deutschland entwickelt. Dank der bundesweiten Mobilisierung kamen im Jahr 2013 über 3.000 Gegendemonstrant_innen nach Magdeburg. Doch sind diese – mittlerweile alljährlichen – Naziaufmärsche nur der medienwirksame Teil des Nazi-Problems. Rassistische und neofaschistische Gewalt gehören in Sachsen-Anhalt zur harten Realität. Fast täglich wird ein Übergriff registriert. Neue und alte Nazis gehören in Magdeburg zum Stadtbild und auch politisch sind die Neofaschisten in der Landeshauptstadt überaus aktiv. Der Protest der Zivilgesellschaft gegen rechts fokussiert sich meist nur auf den Aufmarsch im Januar und blendet die gewalttätigen Übergriffe und politischen Manipulationen der Rechten in der übrigen Zeit aus. Vorkommnisse mit bundesweiter Aufmerksamkeit, sind aber typisch für die politischen Verhältnisse in Sachen-Anhalt. [weiter]