Archiv für August 2015

Stimmung gegen Flüchtlinge?

In Ense-Bremen wurde an den Rohbau eines Flüchtlingsheims ein Hakenkreuz und der Schriftzug „Das heißt nicht hier!“ geschmiert. Der Dortmunder Staatsschutz ermittelt (hoffentlich besser als in Dortmund).

Damit reiht sich auch der Kreis Soest in die lange Reihe von Orten ein in denen es Übergriffe auf Flüchtlingsheime gab (allein 202 im ersten Halbjahr 2015).

Erfreulicherweise blieben Anwohner nicht lange Untätig und lobten eine Belohnung von 1.200 € für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, aus. Zudem haben die Enser Fraktionen die Schmiererein verurteilt und eine Erklärung abgegeben worin Sie die Tat als „Einzelmeinung“ bezeichnen und das Engagement der übrigen Bürger loben.

Dass dies stimmt, kann man nur hoffen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass es sich bei den Tätern häufig um nahe Anwohner handelte, welche sich selbst als diejenigen fühlen, welche das tun was alle denken. Gefühlte Legitimation dank rechten Stimmungsmachern von CDU bis NPD (z.B. hier)

Diese Stimmung wird auch versucht im Kreis Soest zu schüren – insbesondere über rassistische Facebookseiten. Da wären zum einem die – offensichtlich von Nazis mit NPD-Nähe betrieben Seiten – „Welver wehrt sich“ und „Hamm und Soest gegen Überfremdung“, zum anderen gibt es die Seite „Nein zum Asylbewerberheim in Wimbern“, die dortigen Kommentare haben schon einige örtliche Rassisten vors Gericht geführt. Auffallend ist auch das Engagement der AfD, welche kurz vor der Tat einen Beitrag unter dem Titel „Wir stehen vor dem Asyl-Kollaps“ veröffentlichte. Dazu kommt noch die Identitäre Bewegung Westfalen (dazu: hier) und vereinzelte AktivistInnen von „Die Rechte“.

Auf der anderen Seite gibt es bei jedem größeren Heim aber auch Unterstützergruppen von Anwohnern, welche Spenden sammeln und den Flüchtlingen bei alltäglichem Helfen (so auch in Wimbern und Ense-Bremen).

Zudem gibt es auch lokale Facebook-Seiten von Anwohnern, welche den Rassisten argumentativ den Boden entziehen und diese entlarven wollen (z.B. diese)

Wie sich die Situation weiterentwickelt bleibt abzuwarten, kürzlich wurden erstmals Flüchtlinge in einer Turnhalle untergebracht, was aber zum Glück für die Flüchtlinge kein Dauerzustand ist. Der Bürgermeister hat dazu einen „Protestbrief“ geschrieben, welcher hier passend kommentiert wurde.